60,6 Prozent der Deutschen wollen ihre Stimme der AfD geben

So sieht Protest aus: 60,6 Prozent der Deutschen wollen ihre Stimme der AfD geben. Sie haben Angst vor dem Chaos einer Asylpolitik »ohne Obergrenze« und zeigen das auch – jedenfalls anonym. Diese Umfrage bei T-Online läuft seit dem letzten Freitag und hat schon fast 107 000 Stimmen für die Protestpartei gesammelt. Das ist eine ernstzunehmende Größe und sollte dem Politikbetrieb zu denken geben.

Tut es aber nicht:

In den Umfragen für die ARD fällt das Meinungsbild nämlich komplett anders aus. Im Deutschland-Trend der ARD bleibt weiter alles ruhig. Für die Meinungsforscher wird die Protesthaltung nicht einmal zur Randnotiz in den Zahlen. Deutschland schlummert im Flüchtlingsmärchen und in allen Köpfen herrscht Ruh.

Die offiziellen Beliebtheitswerte der Parteien wirken wie eingefroren

Durchgeführt werden solche hochoffiziösen Umfragen regelmäßig vom Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap. Die ARD ist dort Stammkunde. Magere acht Prozent werden der AfD hier zugestanden. Das ist ein Zuwachs von gerade zwei Prozentpunkten seit dem letzten Deutschland-Trend. Auf der anderen Seite sollen satte 62 Prozent weiter hinter CDU und SPD stehen? Hinter der Großen Koalition, hinter Gabriel, Merkel und Gauck, hinter der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung? Die offiziellen Beliebtheitswerte der Parteien wirken wie eingefroren.

Stillstand – das kann doch gar nicht stimmen: Deutschland versinkt gerade in einer Flüchtlingskrise und im Gefühlschaos zwischen Hass und Gutgläubigkeit. Wir verstauen mehr und mehr Menschen und haben doch kein Rezept für ihre Zukunft.

Dabei versinkt Deutschland gerade im Gefühlschaos…

Weiter so oder brauchen wir eine Kurskorrektur? Diese unsichtbare Front spaltet das Land: Sie zieht sich durch die Gesellschaft. Sie spaltet Parteien – im Kleinen sogar Freundschaften und Büros. In der Flüchtlingskrise sehen wir brennende Unterkünfte, aber auch mediale Hetzjagden gegen Asylkritiker. Gewalt auf der Straße und verbale Hinrichtungen.

Die Menschen stöhnen unter einem Berg von Problemen, von denen es viele vor ein paar Monaten noch gar nicht gab. Sie spüren, dass es keine Garantie mehr gibt auf ein Lebensmodell, das ihnen vertraut ist. Die Atmosphäre wird vergiftet mit Denkverboten, Prangern, Pauschalisierungen und digitalen Scheiterhaufen. So etwas gab es lange nicht mehr in Deutschland und trotzdem geht all das an uns spurlos vorbei, behaupten Meinungsforscher.

Das Volk zeigt den Demoskopen die lange Nase

Allerdings liegen die Demoskopen immer häufiger daneben. Sie können zwar mit Zahlen spielen, doch nach den Wahlen entpuppt sich das Ganze als falscher Zauber. Gerade auch wieder letzte Woche in Kanada: Justin Trudeau gewann mit seinen Liberalen 40 Prozent der Stimmen, in den Umfragen lag er bis zuletzt nur an dritter Stelle. Die Medien trommelten für den Konservativen Stephen Harper und kleisterten das öffentliche Meinungsbild mit tendenziösem Kampagnenjournalismus zu. Als das Volk aber in die Wahlkabinen ging, zeigte es den Demoskopen die lange Nase.

Im Mai prophezeiten sie ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen David Camerons Conservative Party und der Labour Party. Auch wieder voll daneben: Premierminister Cameron feierte in Großbritannien einen Erdrutschsieg mit 100 Sitzen Mehrheit. Solche Debakel gibt es auch in Deutschland. Alle deutschen Meinungsforschungsinstitute prognostizierten 2005 der CDU 41 Prozent. Bei der Bundestagswahl wurden es aber bloß 35 Prozent. Das ist keine statistische Ungenauigkeit mehr, die Meinungsforscher produzieren miserable Vorhersagen. 2012 bei der NRW-Wahl und schon 1990 schrieben sie Kohls CDU ab.

Auch Meinungsforscher haben eine Meinung: Kein Auftrieb für Extremisten

Warum liegen sie so oft daneben?

Die einfachste Erklärung:

Es wird offen manipuliert. Dafür gibt es sogar Belege. 1996 gab das Allensbach-Institut zu: Ja, wir haben bei den Wahlumfragen in Baden-Württemberg manipuliert. Das meldete damals exklusiv die Frankfurter Rundschau und lieferte sogar die Begründung: Das Ergebnis der Republikaner (Rep) sei künstlich unter fünf Prozent gedrückt worden, um den Extremisten keinen Auftrieb zu geben.

Die Umfrage-Industrie muss aber nicht mal mit Absicht manipulieren, um völlig daneben zu liegen. Früher hatten wir keltische Eingeweideleser oder römische Auguren, die Vögel beim Körnerpicken beobachten. Die modernen Wahrsager erschaffen hingegen eine Illusion der Gewissheit. Sie tüfteln geschickte Fragen aus, horten ganze Datenberge und entwickeln Algorithmen, wie man das Ganze auswertet. Am Ende kommt aber alles darauf an, ob sich die Leute in die Karten schauen lassen wollen.

Meinungsforscher erfahren nicht mehr die Meinung des Volkes

Nur sagen die immer öfter das Eine und wählen anschließend genau das Gegenteil in der Wahlkabine. Dieses Phänomen ist den Meinungsforschern schon lange bekannt, wird aber hartnäckig verschwiegen, weil sonst der ganze Zahlenzauber wertlos wird. Welche Industrie schafft sich gerne selber ab? Dr. Olaf Jandura vom Institut für Medienforschung der LMU München sagte bereits 2005: »Ein NPD-Wähler wird nicht unbedingt jedem erzählen, dass er eine rechte Partei wählt.« Ein Klima, in dem Leitmedien das öffentliche Meinungsspektrum auf Schießschartengröße verengen, lässt eben die Menschen gerade bei der Wahrheit pokern.

Die Journalisten diktieren ungewohnt heftig das öffentliche Meinungsbild. Sie diffamieren Andersdenkende. Das nimmt paranoide Züge an und überschreitet die Grenze zur Hetze – deutlich. Was jetzt passiert, haben Medienwissenschaftler bereits in den 1970er-Jahren mit ihrer Theorie der Schweigespirale nachgewiesen. Eine kleine Gruppe sitzt exklusiv an den Lautsprechern und beschallt das öffentliche Meinungsklima. Klingt nach Journalisten, oder?

Eine ganze Seite des Meinungsspektrums wird öffentlich negativ aufgeladen

Die Menschen waren damals nicht untereinander vernetzt und hatten nur einen Gradmesser zur Beurteilung der Lage, genau dieses Dauerrauschen der Journalisten. Man nahm es als öffentliche Meinung wahr und schwieg aus Angst vor Isolation, selbst wenn die Mehrheit genauso dachte – was aber der eine vom anderen nicht wusste.

Diese soziale Selbstkonditionierung funktioniert heute noch, sogar im Zeitalter des Internets: Was viele Menschen angesichts der Flüchtlingsströme denken und fühlen, geißeln Politiker und Journalisten öffentlich als unmenschlich. Eine ganze Seite des Meinungsspektrums wird damit emotional negativ aufgeladen und stigmatisiert. Die entsprechenden Kampfvokabeln sind längst im Umlauf: Wer will denn gerne »Pack« sein, zu den »Dunkeldeutschen« oder »Aber-Nazis« gehören?

Warum die Umfragen an der Realität vorbeigehen

Genau dieses Dilemma sollen die Meinungsforscher kaschieren. Je aufgeladener, aggressiver, hetzerischer die Stimmung im Land ist, desto schweigsamer wird die Seite, die sich unterlegen fühlt. Deshalb geht die wahre Stimmung im Land gerade voll an den Umfragen vorbei. Die umstrittene Asylpolitik der Bundeskanzlerin hat einen institutionellen Heimvorteil.

Für Asylkritik gibt es keine öffentliche Lobby. Keine Partei, die fest im Politikbetrieb verankert ist, trommelt programmatisch und sagt: Wir schaffen das nicht. Keine Gewerkschaft, keine Stiftung, kein Verband, kein Leitmedium – der einzige öffentliche Raum, der den Asylkritikern bleibt, ist die Straße, ist das Internet, sind Alternativmedien. Sie haben einfach nicht die Organisationsmacht, um wirksam gegen große Lautsprecher anzuschreien.

Was Meinungsforscher sagen müssten: Sorry, wir setzen unsere Umfragen aus

Wollen Meinungsforscher methodisch sauber bleiben, müssten sie sagen: Sorry, wir setzen unsere Umfragen für die nächsten Monate aus. In Deutschland wird gerade schonungslos um die Meinungsmacht gekämpft und es sieht verdammt nach einem Heimsieg der Großen Koalition aus. Viele wählen deshalb die innere Emigration und verraten uns gar nicht mehr, was sie wirklich denken.

Dass eine eingespielte links-liberale Dauerbeschallung gegen die sogenannten kleinen Bürger und ihre Ängste immer das letzte Wort haben wird, sagt aber noch nichts über die Mehrheitsverhältnisse aus.

Der eine große Vorteil einer Demokratie ist die Wahl. Politiker können abgewählt werden für das, was sie tun oder nicht tun. Der andere große Vorteil: Die Wahl selbst ist geheim – auch für das »Pack« und die »Dunkeldeutschen«.

In der Wahlkabine dürfen die Deutschen egoistisch sein

In der Wahlkabine dürfen die Deutschen egoistisch sein: Sie müssen dem Versprechen einer Kanzlerin nicht glauben. Selbst, wenn es als alternativlose Wahrheit eingebläut wird. Sie dürfen an ihre eigene Zukunft und die ihrer Familien denken und nicht bloß an alle Flüchtlinge dieser Welt. Auch so etwas gehört zur Meinungsfreiheit, die gerade einen schweren Stand hat in Mitteleuropa.

Natürlich werden nicht wirklich 60,5 Prozent für die AfD stimmen. Die T-Online-Umfrage ist methodischer Murks. Jeder kann dort so oft wählen, wie er will. Das wirklich Erschreckende bleibt aber: Eine hochoffiziöse Umfrage der ARD macht es auch nicht viel besser. Sie fängt die Realität genauso wenig ein. Da wird es fast schon zur Fußnote, dass die Methoden der Meinungsforscher höchst umstritten sind.

Ihre Umfragen sind bereits im Normalfall gefiltert, weil sich der Pool der Befragten in sogenannten Online-Panels größtenteils selbst rekrutiert. Mit einem schonungslosen Blick auf Volkes Schnauze hat das nichts mehr zu tun.

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